Wenn du das liest, wirst du nicht an dich denken. Normalität. Davon distanziert man sich. Uns wird in unserer Kindheit so sehr eingeprügelt, dass es gut ist, aus der Masse rauszustechen, dass wir instinktiv davon ausgehen, das wir ungewöhnlich, ein wenig seltsam und einzigartig sind. Wie kommt das? Ist diese Behauptung nicht nur eine farce an die Realität?
Nein. Wir sind alle anders. Das sage ich intuitiv. Aber wie kann es dann sein, dass wir von “den Menschen”, “der Gruppe” oder gar “der Rasse” reden? Müssten wir uns nicht um jeden einzelnen kümmern, ohne zu verallgemeinern? Ist es nicht seltsam, dass wir Nationalsozialisten schlimm finden, weil sie die Menschheit einfach in zwei Lagern einteilen, obwohl wir in dem Moment selber von “den Nazis” reden? Wie sollte Kants kategorischer Imperativ jemals in einer Welt funktionieren, in der jeder anders ist? Vielleicht ist ja das mein Problem mit Kant. Ich konnte es vorher nicht erklären. Dieser gebildete Mann, der diese wundersame und begehrenswerte Fähigkeit hat sich unglaublich präzise auszudrücken – und doch mag ich ihn nicht. Er verallgemeinert. Das wird der Grund sein. Oder? Was ist denn schon “der Grund”? Ist das nicht schon wieder einer Verallgemeinerung? Aber ich schweife ab.
Noch etwas anderes wird uns eingetrichtert. Wir sind nicht anders. Wir sind eines von Millionen von mehr oder weniger vernunftbegabten, affenähnlichen Wesen auf einem Planeten, der um eine Sonne kreist. Wir sind alle gleich. Wir atmen die selbe Luft, wir benutzen das selbe Wasser, wir leben auf einer Welt. Hier in unseren Kreisen gehen wir zur Schule, es werden Hoffnungen in uns gesteckt. Wir sind alle gleich. Leute die anders sind, sind nicht unbedingt gut. Zum Beispiel “die Mörder” und “die Kindervergewaltiger”. Die sind böse. Die sind anders und nicht gut. Ist dieser Gedanke nicht eine Steilvorlage für weitere Denkmuster dieser Art?
Niemand ist normal. Niemand ist anders. Diese, uns aufgezwungene, Gedankenwelt funktioniert nicht. Okay, wir sind nicht normal. Okay, wir sind nicht anders. Was sind wir bitte? Oder sind wir beides? Ist es dasselbe? Ist alles nichts? Ist alles überhaupt? Ist etwas? Stimmen in meinem Kopf.
Meine Altersgruppe bemüht sich zu jeder Gelegenheit, sowohl dem Mainstream zu folgen, als auch Individualität reinzubringen. Und das verwirrende ist, dass es irgendwie funktioniert. In den meisten Fällen. Die Leute, die zu viel Individualität einbringen, werden ausgegrenzt. Ich würde ja jetzt auch schreiben “Die Leute, die zu viel Mainstream einbringen, werden ausgegrenzt”, aber was ist den bitte “zu viel Mainstream”? Ich kann auch nicht festlegen, was “zu viel Individualität” ist, man merkt es einfach. Und ich habe diese merkwürdige Gefühl, dass man zu einer Person, die “zu viel Individualität” hat, dies niemals sagen würde, oder es überhaupt merken würde. Sie sind einfach “anders”.
So wie du. So wie ich. So wie keiner. So wie alle. Wie leben wir?
Gute Nacht.
wunderbar Marvin! gut das es immer wieder leute gibt die sagen können was ich denke. Ich kann es nähmlich nicht
Schön gesagt ;D du sprichst mir aus der seele. und: ich HASSE Kant. Ich mag ihn und seine Ansichten nicht nicht, sondern ich hasse sie und finde sie absolut bescheuert..
Du hast mir soeben den Glauben an meine Generation wieder gebracht! Es gibt sie also doch noch, die die sich Gedanken machen, die die auch mal tiefgründig sind und es anderen mitteilen und sich nicht dafür schämen. Herrlich!
Lindamausi,
das war genau die richtige Mischung aus Mainstream und Individualität. Bist leider aber trotzdem kein grünes Gummibärchen ;)
Deine Edwardi :D
Ja, ich hab euch auch lieb ;D!